Alraune
(Mandragora)
Volkstümliche Namen: Galgenmännchen, Drachenpuppe, Dollwurz. Herkunft: heimisch in Südeuropa, im östlichen Mittelmeergebiet, in Nordafrika und Westasien.
Die Wurzeln des Nachtschattengewächses stecken 20 bis 40 cm tief in der Erde. Die Wurzelstöcke sind weiß, braun oder schwarz gefärbt. In der Regel münden die Stammwurzeln in 2 bis 3 geteilte Wurzelenden.
Wirkstoffe: Tropanalkaloide, u.a. Hyoscyamin, Atropin, Scopolamin, Mandragorin. Angew. Pflanzenteil: Mandragorae radix = Alraunwurzel. Anwendung: 1. Alkoholauszug (Tinktur), 2. Ölauszug, 3. Auszug in heissem Schmalz (für Hexensalben - mit anderen psychoaktiven Stoffen).
Wirkung/Einsatz: bei Psychosen, Delirien, Gliederzittern, Krämpfen, Schmerzzuständen, Schlaflosigkeit. Bewirkt auch (s. Hexen) Schlaf mit Flugträumen, sexuellen Träumen, Erleben einer magisch-mystisch veränderten Umwelt u.ä.m. (ähnliche Wirkung wie die Tollkirsche = Atropa belladonna) Nebenwirkungen: bei Überdosierung Übelkeit, Brechreiz, Pupillenerweiterung, verminderte Sehschärfe, Mundtrockenheit... - Vorsicht! Bei wiederholter Anwendung innerhalb kurzer Zeit können schon geringe Mengen zu einem Rauschzustand führen. Die verträgliche Dosis ist sehr unterschiedlich. Herzkranke Menschen müssen die Alraune meiden.
Bemerkungen: Um die Alraune ranken zahlreiche Sagen. Unsere Vorfahren nannten sie Elfen-Rune, Alfen-Geraune = Alraune. Als Amulett getragen, verheisst sie Glück in der Liebe, sie vermehrt das Geld, offenbart Verborgenes und Zukünftiges und vertreibt böse Geister (auch J.W. von Goethe besass eine Alraune). Nach der Überlieferung wachsen die wirksamsten Wurzeln unter einem Galgen.
Auch die antiken Griechen glaubten an die Alraune. Sie sahen in der Mandragora eine Zauberwurzel, die von den Circen benutzt wurde. Der Arzt Theophrast setzte die Alraune (ca. 750 v.d.Z.) sowohl als Schlafmittel wie auch als Aphrodisiakum ein. Phythagoras und Dioskorides berichteten, daß schon das Ausgraben der Wurzel gefährlich sei. Sie müsste an jedem Freitag in rotem Wein gebadet und in ein Kleid aus roter und weisser Seide gehüllt werden. Denn nur eine sorgfältig gepflegte Alraune offenbarte aus Dankbarkeit Verborgenes und vermehrte den Wohlstand. Sie durfte vom Vater nur auf den jüngsten (nicht auf den ältesten) Sohn weitervererbt werden.
In der Bundesrepublik werden oft gefälschte Alraunenwurzeln angeboten und verkauft. Zu diesem Zweck nehmen die Fälscher wildwachsende Zaunrüben, schnitzen sie zurecht, "machen sie alt" und bieten diese Fälschungen für teures Geld als "echte Alraunen" an.
Apotheken-Medikamente: Die Alraune wird heute wenig angewandt; man findet sie nur noch als Beimischung in wenigen Fertigarzneimitteln; z.B. Kräuterlax Dragees.
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