|
Bilsenkraut (Hyoscyamus niger) Volkstümliche Namen: Zigeunerkraut, Schlafkraut, Rasewurzel. Herkunft: Heimisch in Europa, West- und Nordasien; eingebürgert auch in anderen Teilen der Welt. Das Nachtschattengewächs wächst auf Schutthalden und Gartenland mit stickstoffreichen Böden. Die Pflanze wird 20 bis 80 cm hoch. Die grossen Blätter sind grob gezähnt und wie die kantigen Stengel klebrig behaart. Die Blüten sind schmutzig-gelb und dunkelbraun geädert und verströmen einen unangenehmen Geruch. Das Bilsenkraut ist eng verwandt mit dem Stechapfel und der Tollkirsche. Wirkstoffe: Hyoscyamin, Scopolamin, Atropin, Apoatropin, Cuskhygrin und andere Alkaloide. Wirkung/Einsatz: bei Geistesstörungen mit starker Erregung, Psychosen, Unruhezuständen, Gehirnentzündung, Schmerzzuständen, Zittern alter Leute, Parkinson, zentralen Sehstörungen, Krampfanfällen, Delirien, krampfhaftem Husten, Magen- und Darm-Krämpfen, Rheuma, Schlaflosigkeit, Zahnweh mit Hitze, Blasen-Krampf und -Lähmung; es wirkt narkotisch, halluzinogen, aphrodisierend; bewirkt tiefen Schlaf mit Flugträumen oder Tier-Verwandlungs-Träumen (s.a. Berserker); verändert die Umwelt mystisch-magisch. Der Ölauszug wird äusserlich zu Einreibungen bei rheumatischen Schmerzen verwendet. Bemerkungen: Die Germanen benutzten Bilsenkraut als Räuchermittel, um sich in hellseherische Ekstase zu versetzen oder Dämonen zu beschwören. Bilsenkraut war eine wichtige Zutat in magischen Getränken und Salben. Es wurde auch als Würzmittel dem Bier beigemischt. Die Kelten bestrichen ihre Jagdspiesse mit Bilsengift, um das Wild sicher zu töten. Der Römer Plinius berichtete, daß schon ein Absud von vier Bilsenblättern die Sinne stört, und daß Öl aus dem Samen in das Ohr geträufelt Wahnsinn hervorruft. In arabischen Ländern wird Bilsenkraut mit Tabak oder Hanf gemischt geraucht; als Räuchermittel dient es als Narkotikum und Aphrodisiakum. In arabischen Badehäusern wird Bilsenkrautsamen als liebereizendes Mittel auf heisse Platten geschüttet; mit Bilsenkraut-Samen wird auch der Kaffee rituell gewürzt. In der Homöopathie wird aus der ganzen Pflanze die Urtinktur des Homöopathikums Hyoscyamus bereitet und in den Potenzen D1 und D2 gegen Kitzelhusten, und in den Potenzen D4 bis D6 gegen Erregungszustände, Delirien und Schlaflosigkeit angewendet. Apotheken-Medikamente: Hyoscyamus-Extrakte sind in Kombinationspräparaten enthalten, so z.B. in Chelichol (Tropfen/Dragees), in der Ungt. lymphaticum Salbe oder in Asthmamitteln wie Asthalgine. In einigen Präparaten auch als homöopathische Verdünnung, z.B. in Aranidorm Tropfen Tussisana oder Monapax. Oleum Hyoscyami ist Bestandteil von Salben wie z.B. in der Rheumex Salbe oder in der Kelosoft-Narbensalbe. Scopolamin wird in Ampullenform angeboten (Eifelfango; in Stärken von 0,3 bis 1mg) und ist als Monosubstanz auch Bestandteil von Augenheilmitteln: Boro-Scopol Tropfen oder Scopolamin-Augenöl als pupillenerweiterndes Mittel; auch als Atropin-Ersatz bei Atropin-Allergie. |