Eisenhut, Roter
(Digitalis purpurea)
Volkstümliche Namen: Waldschelle, Waldglocke, Potschen.
Herkunft: heimisch in West- und Mitteleuropa.
Die Pflanze liebt kalkfreie Bergwälder. Der Rote Fingerhut ist eine zweijährige Pflanze. Aus einer verästelten Pfahlwurzel bildet sich eine Blattrosette mit sehr grossen, kräftigen Blättern. Aus der Achse erfolgt eine Streckung bis zu 2 m Höhe. An der Spitze steht die Blütentraube. Die grossen Blüten haben einen grünen Kelch und eine glockige Krone. Die Frucht ist eine zweifächrige Kapsel. Roter Fingerhut und Wolliger Fingerhut (Digitalis lanata) haben gleiche Wirkstoffe und Wirkungen.
Wirkstoffe: Digitalis, Digitoxin, Digitonin, Gitoxin, Gitaloxin, Digitaloid-Glykoside, Steroidsaponine, Flavonoide, Anthrachinon-Derivate, Gerbstoffe.
Angew. Pflanzenteil: Digitalis purpureae folia = Fingerhutblätter.
Anwendung: als stark verdünnte Tinktur (Alkoholauszug).
Wirkung/Einsatz: bei Nervenleiden, Unruhe, Schlaflosigkeit, Herzschwäche, Erschlaffung des Herzmuskels, Angina Pectoris, Magen- und Darmstörungen mit Gelbsucht, Menstruationsstörungen, krankhafter Prostatavergrösserung.
Nebenwirkungen: Darf nur von Heilkundigen angewandt werden! Schon bei kleinster Überdosierung treten tödliche Vergiftungserscheinungen auf: unregelmässiger Puls, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, heftige Leibschmerzen, Blaufärbung der Lippen, Atemnot, Herzstillstand.
Bemerkungen: Digitalis ist ein altes Hexenmittel. Digitalisähnliche Wirkstoffe sind in vielen Pflanzen enthalten (z.B. Meerzwiebel, Oleander, Maiglöckchen). Interessant ist, daß Digitalstoffe mit dem Vitamin D und mit den Geschlechtshormonen eng verwandt sind. Deshalb tritt bei Digitalisbehandlungen oft eine sexuelle Übererregung auf.
In richtiger Dosierung ist Digitalis ein unverzichtbares Herzmittel. Es kräftigt den Herzmuskel, erhöht die Blutmenge und reguliert den Herzschlag. Es bewirkt die Entfernung des bei Herzkranken aufgestauten Wassers. Doch Digitalis beeinflusst nicht nur das Herz, sondern auch die Nieren und andere Organe im ausgleichenden Sinne.
Apotheken-Medikamente: Es gibt unzählige Digitalis-Präparate mit unterschiedlichen Dosierungen - z.B. Digitalysat, Digitoxin Didier Tabletten, Digicor Neu, Digimerck Tabletten, Tardigal-Tabletten, Coramedan... ausserdem verschiedene Injaktionslösungen; der Vollständigkeit halber seien noch einige Augentropfen erwähnt: z.B. Augentonikum Stulln, Digophton.
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