Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Volkstümliche Namen: Fliegenschwamm, Rabenbrot, Wulstling.
Herkunft: heimisch in Europa bis Sibirien, in Nordamerika und Südafrika.

Er wächst in lichten Nadel- und Laubbaum-Wäldern; häufig unter Eichen und Birken. Der Märchenpilz mit seinem weissen Stiel, dem roten Hut und den weissen Flecken darauf dürfte jedem bekannt sein.

Wirkstoffe: Muscarin, Ibotensäure (atropinartig), Muscazon, Muscaridin (curareartig), Muscimol, Betalaine, Cholin, Trimethylamin, Amanitol, Xanthin, Bufotenin, biogene Amine, Putrescin, Betain, ätherisches Öl.
Angew. Pflanzenteil: Amanitaceae = der ganze Pilz.
Anwendung: 1.) Direktverzehr (getrocknete Pilze), 2.) Alkoholauszug. (Anwendung darf nur von Heilkundigen vorgenommen werden!)

Wirkung/Einsatz: bei körperlicher und geistiger Schwäche, Angstträumen, Störungen des Zentralnervensystems, Nervenschmerzen, Antriebslosigkeit, Depressionen, Hysterie, Wechseljahrbeschwerden, Blasen- und Darmkrämpfen, chronischem Gelenkrheuma, allgemeiner Übererregbarkeit, Parkinson.
Nebenwirkungen: Keine, bei sachgerechter Dosierung. Bei einem Verzehr von mehr als 6 Pilzen können gesundheitliche Schäden auftreten. Bei einer Überdosierung treten starke Erregungszustände auf, die zu Gewalttätigkeiten und Halluzinationen führen; zusätzlich starke Übelkeit und Durchfall.
Therapie bei Vergiftungen: Kohlepulver, Natriumsulfat als Abführmittel, Plasmaexpander bei Schock, Beatmung, Anticolinum wenn Symphaticuswirkung im Vordergrund steht.

Bemerkungen: Bei den Germanen war der Fliegenpilz dem Gott Wodan zugeordnet; dem Gott der Ekstase und dem Entdecker der magischen Runenkraft. Der volkstümliche Name "Rabenbrot" deutet auf die beiden allessehenden Raben Wodans hin. Der deutsche Name "Fliegenpilz"; bezieht sich auf die Kraft des Pilzes, Menschen "fliegen zu lassen". Er war daher Bestandteil der Hexen-Flugsalben. Verbunden mit geheimen Ritualen wurden von den Hexen 1 bis 4 mittelgroße Pilze gegessen (oder geraucht), um Visionen zu erhalten. Der Fliegenpilz kann aber auch friedliche Menschen in Berserker verwandeln. In Russland (besonders in Sibirien) spielt der Pilz als Rauschmittel eine Rolle.

Den Fliegenpilz findet man in einigen Kombinations-Präparaten gegen Schmerzen; in der Homöopathie findet er eine breitere Anwendung - z.B. als Agaricus muscarius Urtinktur (100ml Tinktur entspricht 35g Frischpilz und ist daher leicht dosierbar)