Germer, Weisser
(Veratrum album)
Volkstümliche Namen: Weisse Nieswurz, Läusekraut, Gerber.
Herkunft: heimisch in den Alpen.
Der Germer ist eine Gebirgspflanze. Sie wächst auf feuchten Alpenwiesen und steigt bis zu 2000 m auf. Die Nieswurz wird bis zu 1 m hoch. Sie ist ausdauernd, hat einen starken Wurzelstock mit vielen Nebenwurzeln. Die Blätter sind 25 bis 30 cm lang. Die Blüten sitzen büschelweise am oberen Teil des Stengels in einer sehr langen weissen Rispe.
Der weisse Germer hat noch einige Brüder: die schwarze Nieswurz (Helleborus nigri), die grüne Nieswurz (Helleborus viridis) und die stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus). Sie gehören alle zu den Hahnenfussgewächsen.
Wirkstoffe: Steroid-Alkaloide, Protoveratrin A und B, Germerin, Jervin, Hellebrin, Gerbstoffe, Bitterstoffe.
Angew. Pflanzenteil: Veratri rhizoma = Germer-Wurzelstock.
Anwendung: Alkoholauszug (stark verdünnte Tinktur); nur für Heilkundige!
Wirkung/Einsatz: bei Gehirnerregung, Zornausbrüchen, Depressionen, Schwermut, Geistesstörungen, Schwäche und Hinfälligkeit mit Neigung zum Nervenzusammenbruch, Brechdurchfall, Herzenge, Menstruationsbeschwerden, Geistesstörungen während des Wochenbettfiebers, Mannstollheit, Tetanus, spinaler Kinderlähmung, Rückenmarkleiden.
Nebenwirkungen: bei sachgerechter Anwendung keine. Bei Überdosierung über 1g können Vergiftungserscheinungen auftreten; ab 2g tödlich!
Bemerkungen: Die Nieswurz taucht schon in uralten Rezepten von Hexensalben auf. Der weisse Germer hatte als narkotisches Räuchermittel Bedeutung; auch Gemische aus Germer und Fliegenpilz waren in Mode. Sie wurden als Rauschmittel benutzt, um die Tore zur magischen Welt zu öffnen.
Apotheken-Medikamente: Germer ist heute nur noch in einer Reihe von Fertigarzneimitteln in Form von homöopathischen Verdünnungen enthalten; z.B. Veratrum-Injeel forte, Veriloid-Tabletten.
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