Gnadenkraut  (Gratiola offcinalis)
Volkstümliche Namen: Purgierkraut, Erdgalle, Gichtkraut.
Herkunft: heimisch in Mittel- und Osteuropa; man findet sie an Gräbnen, Ufern und auf feuchten Wiesen.

Die Pflanze hat einen dünnen Wurzelstock, der dicht unter der Erdoberfläche waagerecht wächst. Daraus entspringt 30-40 cm hoch ein aufrechter Stengel, der kleingesägte Blätter trägt. Die grossen Blüten sind röhrenförmig gestaltet, rötlich gefärbt und mit weiss-gelblichen Längsstreifen versehen. Die Frucht ist eine kleine Kapsel mit zwei Fächern.

Wirkstoffe: digitalisähnliches Gratiotoxin, Elatericid (Cucur-Glykosid), Bitterstoffe, Gerbstoffe, Saponine, Glykoside, ätherische Öle.
Angew. Pflanzenteil: gratiolae herba = Gnadenkraut.
Anwendung: Nur als stark verdünnte Tinktur.

Wirkung/Einsatz: bei Kopfschmerzen, nervöser Reizbarkeit, Wassersucht, Leber- und Gallebeschwerden, Drüsenerkrankungen, Magen- und Darmkatarrh, Koliken, Bluthochdruck, Blasen- und Nierenbeschwerden, verfrühter Periode, Überreizungszuständen der Sexualorgane, Mannstollheit bei Frauen.
Nebenwirkungen: Jede Selbstmedikation muß unterlassen werden. Die Anwendung bleibt nur Heilkundigen vorbehalten!

Bemerkungen: Schon bei einem Tropfen der verdünnten Tinktur kommt es zu einer Steigerung der Grünempfindlichkeit der Augen. 10 Tropfen machen Grünblind. Grössere Dosen führen zu sexueller Übererregung, Gedankenflucht, Speichelfluss, Übelkeit, Magen- und Darm-Krämpfen, Nierenschädigung, Herz- und Atembeschwerden.

Wie bei den meisten Giftpflanzen führt der Missbrauch des Gnadenkrautes zum Tod (Atemlähmung).