Klarer Verstand und Beharrlichkeit

Voraussetzung ist, daß der Vorsatz des Anwenders stark, ja unbeugsam ist (dahinter steht ein starker, unbeugsamer Wille) und daraus resultiert die Beharrlichkeit.

Ein weiterer Punkt ist Zurückhaltung - man geht nicht demonstrieren oder mit seinem Können und Wissen hausieren - ein Anwender verkauft und prostituiert sich nicht. Er lässt vielmehr seine Ausstrahlung (- Fluidum -), die durch sein Können und Wissen entsteht auf seine Umgebung wirken - er wird bekannt durch sein Selbst-Können, sein Selbst-Verständnis. Das macht ihm zu dem, was er ist - er braucht keine Werbung und muß sich nicht verkaufen !

Weiter braucht er sein gesundes Urteil - ein Anwender urteilt nie vorschnell und nie gegen seinen gefassten Vorsatz. Er betrachtet die causa wie etwas, daß er kennen lernen will - oder können will - lange und zurückhaltend, bevor er urteilt. Er will es genau wissen - und er urteilt dann gesund - ohne Zorn, ohne Emotionen, ohne Vorurteil. Um dieses gesunden Urteils willen muß er vorher einige Gegner (siehe weiter oben) überwinden oder zumindest in Schach halten, die ihn vorher drangsaliert haben und die in ihm selber zu Hause sind (Angst - Leichtsinn - Überheblichkeit - Alter).

Und daraus resultiert ein weiterer Punkt: Indem der Anwender zurückhaltend ist, nicht vorschnell, sondern überlegt und nur für ihn klar nachvollziehbare, richtige Statements bzw. Urteile abgibt, hat er nicht viel Freiheit zu Neuerungen. Er kennt seinen Weg, er geht seinen Weg, und auf diesem Weg gibt es keine Neuerungen - auch nicht den Begriff "vielleicht geht's anders?".

Dieser Weg ist relativ starr - es gibt kaum Möglichkeiten, etwas anders zu machen und der Spielraum ist gering (es gibt kaum Freiheiten). Nichts desto trotz ist das Weltbild des Anwenders in sich geschlossen, weil er ja bereits ein umfassendes Wissen hat - und wie soll umfassendes Wissen erneuert werden - daher: mangelnde Freiheit zu Neuerungen !

Dies zur Beharrlichkeit; und dann braucht der Anwender auch einen klaren Verstand, einen Verstand, der ihm sagt, daß sich nichts hinter einem Dogma verstecken kann, daß alles, was er macht, sieht, hört, aufnimmt einer Prüfung standhalten muß und auch jederzeit einer Prüfung unterzogen werden kann und auch ständig unterzogen werden soll. Er soll sich nie hinter einem Dogma, einem "das ist halt so" verstecken oder dahinter Zuflucht suchen !

Dieser Verstand gibt ihm die Freiheit, sich seinen Weg zu suchen - wie eingangs gesagt - die Runenlehre ist eine Speiche des esoterischen Rades, jede dieser Speichen führt für sich zum Mittelpunkt, zum Ziel. Und diese Speiche, die zu ihm paßt, die sucht er sich, seinen Weg. Diese Freiheit der Wahl gibt ihm sein Verstand - er sucht sich einen Weg, der seinem Wollen entspricht und den er dann auch mit vollem Herzen gehen kann und will.

Dieser Verstand zeigt ihm auch seine ganze eigene Absicht, er weis, weswegen er diesen, seinen Weg geht. Wenn er diesen seinen Weg richtig gehen will, dann weis er auch, daß ihn dieser - esoterische - Weg nie Reichtümer bringen wird.

Aber er weis z.B. auch um seine Absicht, sich nicht ins "out" zu stellen, nicht Aussenseiter zu sein, sonder zu jenem Teil der Menschheit zu gehören, der nicht mehr blind durch die Welt geht, daß er nicht mehr zu jenen gehören will, die problemlos wie kleine Kinder manipuliert werden können, denn er kennt seine ganz persönliche, spezifische Absicht.

Weiter gibt ihm dieser klare Verstand die Möglichkeit, sich zu bewegen, er ist geistig rege. Er ist nicht in ein Dogma eingesperrt, aus dem er nicht heraus kann - sein Verstand kann jede Möglichkeit wählen, die zur Verfügung steht.

Dadurch kommt er nie in das Dilemma, daß ihm quasi ein "geistiger Maulkorb" verpasst wird - jenes "das darf man nicht (einmal) denken" - mit dieser geistige Einäugigkeit, ja Einseitigkeit wird er nie in Konflikt kommen, denn er ist geistig beweglich, er läßt sich nicht einsperren, denn er hat etwas, was sich als nahezu ausgestorben erwiesen hat, nämlich einen klaren Verstand, der durch keine Dogmen oder Vorurteile getrübt werden kann und einen unbeugsamen Vorsatz - dies zu erreichen bedarf aber vieler anstrengender Arbeit an sich selbst - ständige Schulung und Stärkung des Willens und des Verstandes !

Diese Arbeit nimmt er gerne auf sich, diese Arbeit ist ihm nicht Selbstzweck, sondern sie gehört ganz einfach zum Weg eines Anwenders, zum Weg des Esoterikers. Ein echter Esoteriker ist kein weltabgewandter Wirrkopf, der mit seinen Füssen 5cm über der Erde schwebt und damit ist alles für ihn rund herum in einer natürlichen Harmonie - oh nein, er steht mit beiden Beinen fest am Boden, weiss aber trotzdem um mehr Dinge Bescheid als jene breite Masse, die sich leicht manipulieren lässt, die sich ihres Weges nicht bewusst ist - den dieser Mensch geht seinen Weg, um ein Wissender zu werden - und dabei darf er nie seinen Sinn für die Realität verlieren ! Er will ein Mensch werden, der es besser weiss - aber beileibe kein Besserwisser, sondern ein Wissender !

Damit ist das Thema Kraftform fürs erste abgeschlossen. Wir haben die einzelnen Runenzeichen durchgearbeitet - ihre Bedeutung - ihre Verpflichtungen - ihre Gruppierung in dienende, Schwert- und Machtrunen - auch die erkenntnistheoretischen Grundlagen.

Anschließend bin ich dann - zumindest in der Art einer Einführung - auf die wesentlichen Regeln, die bei der Anwendung und auch bei der blossen Beschäftigung mit Runenkräften und -mächten einzuhalten sind eingangen. Dies soll ein Denkanstoss sein ! Damit kann sich auch der bloss interessierte, ja sogar der nur neugierige Leser - der anfangs noch gar nicht daran dachte, jemals ein Runenanwender zu werden - gefahrlos ein Bild von der Runenlehre machen und auch, sofern er die oben zitierten Regeln beachtet - Runen anwenden - sozusagen probieren, ob das gesagte auch funktioniert.

Z.B. kann man - wenn man friert - durchaus einmal ein FA mit der Hand machen oder imaginieren; oder bei Schlaflosigkeit einer Frau einmal die Kombination YR und BAR. (Erklärung: YR macht das Mädchen zur Frau, reguliert den Fluß und die Strömung der weiblichen Energie, BAR bewirkt eine Veränderung - kann auch bei Migräne versucht werden).

Allerdings - obwohl diese Rituale heilende sind - würde ich doch dringend empfehlen, vorher mindestens 9 Tage unter dem Schutz der grossen 3 (M U T) zu leben, da dann auch der Anfänger ein gutes Lager für heilende Runenkräfte besitzt !

Besteht Interesse, ein Wissender zu werden, würde ich trotzdem raten, vor anderen als bloss heilende Rituale durchzuarbeiten und persönlichen Kontakt mit einem Wissenden - der erfahren ist - zu pflegen (geplante Rituale durchbesprechen, damit man Fehler im Bereich der Kombination der Runen und der eigenen Motivation zum Ritual vermeidet).

So kann man - unter peinlicher Beachtung aller Regeln - zum Anwender werden, bis man von einer Rune selektiert wird - seiner Leitrune - und nun den Weg zum wirklich Wissenden beschreiten kann.